Weil der Mensch einen Vogel hat, baut er sich ein Nest. Kein echtes aus Stroh und Geäst, mehr so emotional und heimisch. Meistens wird dieses Nest von Frauen gebaut, in das sie als erstes einen Mann rein zerren. Möglicherweise war das als erste eine Frau „Adler“ mit einem gewissen „Horst“. Daher dann der Name „Adlerhorst“. Mit ins Nest kommen dann nach und nach die Kinder und Haustiere. Man kann vermuten, dass das auch der Grund ist, warum Familien so gerne Vögel in ihren Wohnungen beherbergen. Doch da kommt es schon zum ersten Konflikt. Da Familien gerne repräsentieren (unser Haus, unser Auto, unsere….) passt der Wellensittich oder Kanarienvogel nicht gut in dieses Bild. Daher hält sich der Mensch einen Hund, den er zuweilen auch schon mal in einen Käfig steckt (im Auto hinter Gittern oder im Flugzeug in einer Box). Völlig logisch, denn „Rocky“ oder „Cora“ müssen ja überall mit hingeschleppt werden. Zu Freunden, zu Bekannten, in Urlaub, zum Karnevalszug, zum Weihnachtsmarkt, auf eine Hochzeit und besonders gerne in ein Restaurant. Da ergibt sich dann gerne folgende Situation:
Herrchen und Frauchen sind noch nicht ganz im Lokal, da streiten sie sich schon, wer jetzt die Schnappleine nimmt, damit erst mal die Jacken abgelegt werden können. Während dessen rennt „Blacky“ um die beiden herum und wickelt sie ein. Nachdem das Jacken-Blacky-Schnappleinen-Problem gelöst ist, wird der arme Hund unter den Tisch gezerrt. Die Kellnerin, die das Spiel bis dahin von der Seite (höflich lächelnd) beäugt hat, schreitet zur Tafel und verteilt Speisekarten. Doch bevor sie nach den Getränken fragen kann, wird sie wie folgt aufgeklärt:
ER: Der Blacky ist ja so brav, der bleibt unterm Tisch und rührt sich nicht!
SIE: Ja! Unser Blacky ist ganz lieb! Der macht uns viel Freude!
KELLNERIN: Möchten Sie denn schon was trinken?
SIE: Hätten Sie vielleicht ein Schälchen mit bisschen Wasser für den Hund
KELLNERIN: Gerne! – Und für Sie?
ER: Wir sind jetzt mit dem bestimmt [überlegt] anderthalb Stunden gelaufen. Der braucht jetzt auch was zu trinken.
KELLNERIN: Bringe ich Ihnen sofort. Darf es für Sie denn auch schon was sein?
[Blacky bellt leicht]
ER: Mir bringen Sie ein Pils! – Den hören und sehen sie ja nicht! – Blacky AUS!
[Blacky bellt erneut leicht – Die anderen Gäste schauen schon]
SIE: Den können Sie so unter den Tisch legen… der rührt sich nicht!
Man muss eben nur fest dran glauben.
Wenn Frauchen Geburtstag hat und die Bude voller Leute ist, dann ist es für den Gastgeber phänomenal wichtig, dass Tochter „Sabbi“ die Kampfhündin „Senta“ Stunden über Stunden am Halsband an sich zerrt und festhält, weil eigentlich so viele Leute sie nervös machen, und die Kleine besser gehalten werden sollte.
„Das tut mir leid, Maria, wenn Du so Angst vor Hunden hast. Aber die Senta gehört nun mal auch zur Familie. Ich kann sie ja auch schlecht einsperren!“ – Niemand verlangt, dass ein Hund 4 Stunden in ein Gästeklo gesperrt wird, aber bei einem Haus mit 7 Zimmern, 2 Ebenen, einem ausgebauten Keller und Dachboden wird sich doch wohl ein großes, gemütliches, geschlossenes Plätzchen für die Töle finden. Aber gegen ein Mitglied der Familie kann eine 14-jährige Freundschaft nun mal nicht anstinken.
„Wer keine Tiere liebt, der liebt auch keine Menschen“ – dieser Satz fällt häufig bei Menschen 50+, deren Kinder mit 18 fluchtartig das Nest verlassen haben und die sich jetzt mit einem Haustier („Unser Conny sieht aus wie der Hund in der Cesar-Werbung, nur in schwarz“) trösten und mit ihm abends in die Kneipe gehen. Vielleicht ist es dort für das Tier zu laut? Vielleicht auch zu verqualmt? Um Gottes Willen! „Der Hund mag das gerne. Der freut sich immer, wenn er dort alte Bekannte trifft.“
Und was der Hund gerne hat, was er kann und was er mag, das wissen Hundebesitzer genau. Auch, wenn das Tier keine Widerworte gibt, aber immer macht was er will, auf nichts reagiert außer auf „Komm! Fein Essen!“ – er ständig bellt und alles anknurrt, ist „unsere Trixi so gut erzogen und hört aufs Wort!“.
Und jeder Hundebesitzer schwört, wie gut es seinem 4-Beiner bei ihm geht. Wie gesagt: Man muss nur fest dran glauben…